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Neue Technologien und Stadtentwicklung.

Wohnen & Arbeiten

Dezentralisierung durch Neue Technologien

Die Informations- und Kommunikationstechnologie gilt nach wie vor als eine der wichtigsten Impulsgeber für die wirtschaftliche Entwicklung und bedeutende Zukunftsbranche. Die Städte und Regionen wollen durch die Förderung von Multimedia das Wirtschaftswachstum ankurbeln, den Strukturwandel in Richtung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien lenken und die lokale Ökonomie stärken. Gerade diese Branchen weisen jedoch eine hohe Entwicklungsdynamik auf. Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik macht die Dienstleistungsunternehmen standort-unabhängiger. Zunehmend werden Routinetätigkeiten in Zweigstellen an Stadträndern oder im ländlichen Raum erledigt, während nur die Managementfunktionen in repräsentativen städtischen Lagen verbleiben. Die neuen Technologien beschleunigen Outsourcing-Prozesse, Arbeit wird räumlich und zeitlich flexibler. Arbeitnehmer verbringen zunehmend Arbeitszeiten auch zu Hause. Eine regionale Verlagerung der Arbeitsplätze könnte die Gefahr weiterer Zersiedelung durch Verlagerungen in den suburbanen Raum bedeuten.

Nutzungsmischung durch neue Technologien

Mit der Einführung der Informationstechnologien hat sich der Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft erheblich beschleunigt und zu erheblichen Veränderungen in der Arbeitswelt geführt. Inzwischen wird erkennbar, dass in der Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft auf die räumlichen und funktionalen Trennungen immer mehr verzichten werden kann. Durch den Einsatz neuer Technologien können Bereiche wie Wohnen und Arbeiten wieder zusammengeführt werden.

Das entspricht dem grundsätzliches Interesse vieler Städte, die Funktionstrennung aufzuheben und Nutzungsmischung zu fördern. Stadt der kurzen Wege, Verkehrsreduzierung, Nutzung öffentlicher Infrastruktur sind nur einige Schlagworte.

Mit den neuen Technologien wurde und wird die Hoffnung verbunden, zu einer ganz neuen Art und Qualität der Nutzungsmischung zu kommen. Zunächst stand dabei im Vordergrund, dass die neuen Arbeitsplätze aufgrund nicht vorhandener Emissionen relativ problemlos neben der Funktion Wohnen räumlich angeordnet werden können. Aktuell werden Modelle entwickelt, Wohnen und Arbeiten durch die Möglichkeiten, die der Einsatz von Telearbeit bietet, unmittelbar aneinander zu koppeln. Eine räumliche Reintegration von Arbeiten und Wohnen könnte Pendlerströme reduzieren. Digitale Dienstleistungen von Telelearning, Telemedizin, Online-Banking, Teleshopping könnten an dezentralen Orten eine Versorgung ermöglichen, wie sie bisher nicht möglich war. Damit allerdings auch Dezentralisierung und Suburbanisierung beschleunigen.

Neue Räume für neue Technologien?

Durch die Berücksichtigung und Einbeziehung neuer Technologien in die Stadtentwicklung werden zukunftsgerichtete Entwicklungsimpulse, wichtige Beschäftigungswirkungen und ein Imagegewinn verbunden. Aber brauchen die Neuen Technologien auch neue städtebauliche und architektonische Konzepte? In der Praxis scheint eher ein besonderer Reiz darin zu liegen, neue Technologien in alte Gebäude zu bringen. Solche Konversionsprojekte weisen häufig auch aufgrund ihrer innerstädtischen Lage eine hohe Attraktivität auf. Dabei sind Konversionsprojekte in der Regel nicht nur durch innovative technische Inhalte, sondern auch durch die Anwendung neuer Planungsinstrumente und von Public Private Partnership - Modellen geprägt. Die technologischen Anforderungen erfordern zudem eine rechtzeitige Einbindung technischen Wissens in den Planungsprozess.

Auswirkungen auf die Architektur

Auswirkungen auf die Architektur lassen sich bisher vor allem im Zusammenhang mit der sich verändernden Arbeitswelt feststellen. So werden mit zunehmender Telearbeit offene und flexible Strukturen bei Bürogebäuden sinnvoll. Die Unternehmen wollen durch Telearbeit zu einem Kostenvorteil durch Reduzierung der Büroflächen kommen. Das führt z.B. zu dem Konzept der gemeinsam genutzten Schreibtische (Shared desk).

Andererseits wird der Wohnort immer mehr auch zum Arbeitsort. Erste Konzepte versuchen daher bereits in der Gebäude- bzw. Grundrissgestaltung darauf zu reagieren. Bei Einfamilienhäusern kann das z.B. bedeuten, einen zusätzlichen, flexibel nutzbaren Raum mitzuplanen, der so angeordnet wird, dass er Rückzugsraum für die Arbeit sein kann.

Ein anderer Ansatz geht in die Richtung, eigenständige, flexibel nutzbare Räume für potenzielle Telearbeit anzubieten. Ohnehin ist möglicherweise die bessere Lösung für den Telearbeitsplatz, wenn wohnungsnah, aber nicht wohnungsintegriert geeignete Räume angeboten werden (höhere Akzeptanz und größere Flexibilität). Telearbeitscenter dienen gleichzeitig auch der Kommunikation untereinander und fördern soziale Kontakte. Diese Gebäude sind oft mit informellen Treffpunkten (Plätze, Cafés) verbunden.

Die neuen Technologien verlangen offensichtlich nicht nach grundsätzlich neuen Architekturen oder städtebaulichen Strukturen. Ihre Auswirkungen haben vielmehr eine regionale Dimension, betreffen die Bedeutung der Innenstädte und Zentren, machen den Stadtrand und das Umland attraktiver.

Aber auch ein weiterer Aspekt der technologischen Entwicklungen soll an dieser Stelle kurz angerissen werden. Die neuen Technologien entwickeln sich ständig weiter. Neue Ideen und neue Produkte werden entwickelt und bringen neue, kleine Selbständigkeiten hervor, die ggf. zu größeren Firmen heranwachsen. Um solche Entwicklungen überhaupt möglich zu machen, bedarf es Nischen für Innovation: Kleine Gewerbeeinheiten geringeren Standards und mit preiswerten Mieten.

Die Entwicklung der Telearbeit

Bei der Telearbeit arbeiten Angestellte oder Selbstständige örtlich getrennt vom Firmensitz . Sie sind jedoch über das Internet mit dem Firmensitz verbunden und kommunizieren per e-Mail mit diesem. Bei der Telearbeit lassen sich folgende Kategorien unterscheiden:

Teleheimarbeit
Sie findet ausschließlich von zu Hause für ein oder mehrere Unternehmen statt. Auf diese Weise wird eine Reintegration von Arbeits- und Wohnort realisiert.

Alternierende Teleheimarbeit
Sie findet teils zu Hause und teils im Unternehmen statt.

Telearbeit in lokalen Telearbeitszentren
Hierbei wird unterschieden in Satellitenbüro, d.h. die Filiale eines Unternehmens ist in Wohnortnähe der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Andererseits die Telezentren, -häuser, Telecottages, Televillages, Nachbarschaftsbüros: Eine Art Bürogemeinschaft, die technische Ausrüstungen und Schulungsangebote gemeinsam nutzen. Sie bieten Firmen oder Personen Dienstleistungen an wie Telefon-, Schreib-, Presseservice.

Das mobiles Büro
Das Büro besteht aus einem Notebook und einem Handy.

Gerade in Deutschland ist Telearbeit als Arbeitsform noch relativ wenig verbreitet. In anderen Ländern sind die Zahlen beträchtlich höher, so in Finnland, Schweden und den Niederlanden. Die Gründe hierfür sind vielschichtig und sowohl auf der Arbeitgeber- wie auch auf der Arbeitnehmerseite zu finden. Die Unternehmen befürchten, dass die Telebeschäftigten nicht genügend in betriebliche Abläufe eingebunden sind. Viele Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen bevorzugen eine räumliche Trennung von Arbeits- und Berufsleben. Zudem fürchten viele Unternehmen den technischen und finanziellen Aufwand. Allmählich werden die Hindernisse jedoch verringert. Die Leistungsfähigkeit der Technik steigt, Unternehmen erkennen die Möglichkeit, bei Betriebsflächen im Stammbetrieb zu sparen und es wird mit einer höheren Selbstmotivation der Telebeschäftigten gerechnet. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sehen durch Telearbeit Einsparungen von Zeit und Fahrkosten und erhoffen sich mehr persönliche Freiheit. Sie sehen Möglichkeiten, Beruf und Familie besser zu vereinbaren.

In Deutschland wird Telearbeit bisher überwiegend als alternierende Teleheimarbeit oder mobile Telearbeit praktiziert. In England und den USA sind dagegen lokale Telearbeitszentren inzwischen weit verbreitet. Neben dem Unternehmensbüro und dem Büro zu Hause bieten sich Nachbarschaftsbüros und Telezentren als zusätzliche Arbeitsorte an. Sie wollen einerseits die Isolation zu Hause vermeiden und andererseits lange Anfahrtswege in Unternehmensbüros verkürzen. Diese eigenständigen Einrichtungn sind gerade für Selbständige interessant. Sie bieten Kontaktmöglichkeiten und informelle Hilfsangebote.

Die Zukunft des Wohnens

Über den Wandel der Arbeitsgesellschaft durch die Informations- und Kommunikationstechnologien erhält auch das Wohnen eine neue Bedeutung. Aufgrund der zunehmenden räumlichen Unabhängigkeit des Arbeitsortes der neuen Arbeitsformen ist zu erwarten, dass die Wohnung in Zukunft immer mehr der Arbeitsmittelpunkt vieler Berufstätiger sein wird. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der Wohnung für Tätigkeiten, die bisher außerhalb der Wohnung stattgefunden haben und zukünftig über das Internet erledigt werden können, zu. Nutzungsflexible und nutzungsneutrale Grundrisse werden immer wichtiger. Aber auch die Bedeutung des Wohnumfeldes wird sich dadurch erhöhen. Die Wohnung und das Wohnumfeld sollte aber auch Rückzugsrefugium von virtuellen Arbeitswelten sein können.

Auch die Wohnungswirtschaft rechnet in Zukunft mit einer intensiven Nutzung der Neuen Medien. So könnten z.B. elektronische Schwarze Bretter eine neue Kommunikationskultur ermöglichen. Kontakte der Mieter untereinander und zwischen Pflegeeinrichtungen und Pflegebedürftigen über die Netze der Wohnungsunternehmen hergestellt werden. Einige Wohnungsunternehmen sind bereits dazu übergegangen, in ihren Wohnanlagen eigene leistungsfähige Netze zu installieren, in dem diverse Service-Angebote und Dienstleistungen vermittelt werden. Denkbar ist eine enge soziale Vernetzung privater Hausgemeinschaften mit Hilfe der Neuen Medien.

Weiterführende Informationen

Berichte und Interviews des Online-Magazins Telepolis zum Thema:
Telearbeit

Die Auswirkungen der Kommunikationstechnologien auf Architektur und Städtebau. Ein Beitrag der TU Berlin.
Kommunikation und Städtebau

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Beispiele und Organisationen

Das Projekt Wohnen und Arbeiten in Vauban:
Wohnen und Arbeiten

Das "Netzwerk Arbeit durch Innovation" (NADIV) ist ein Multimedia-Bündnis für Arbeit in Schleswig-Holstein.
NADIV

Szenarien, Prognosen, Optionen zur Zukunft des Wohnens: Ein Kongreß der Schader-Stiftung.
wohn:wandel

empirica arbeitet an der Erforschung der Trends und der Beratung zur praktischen Umsetzung der Telearbeit.
empirica